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Situation und Perspektiven

Eine mittel-und langfristig zunehmende Erwärmung des Klimas wird auch für den Nordosten Deutschlands erwartet und ist heute schon spürbar. Mehr extreme Trockenzeiten, Starkregen, und Stürme mit hohen Windspitzen. Die Folgekosten von unzureichendem Klimaschutz belasten zunehmend die Haushalte der Stadt und ihre Unternehmen. Was die Sensitivität des Berliner Raums  für Mensch und Natur betrifft, stellt das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in Potsdam fest:

„Die Spreemetropole gehört zu den gefährdetsten Städten in Deutschland“

Im Verhältnis zum Umland bildet die Großstadt eine Wärmeinsel, wo an heißen Tagen Spitzen von 4 bis 10 Grad Celsius mehr als in der Region gemessen werden. Damit erhöht sich der sommerliche Hitzestress. Medien stellen vor allem sichtbare Schäden im städtischen Raum wie umgestürzte Bäume in den Vordergrund, überschwemmte Straßen und Keller, blockierte Verkehrswege, gekappte Oberleitungen der Bahn. Viel gravierender sind oft direkte gesundheitliche Auswirkungen zunehmender Hitzewellen auf die Bewohner dichtbebauter Innenstadtquartiere und auf die Vegetation der Großstadt.  
Bild: Kulturforum Berlin 2018 vs April 2021: Verlust von Freiflächen für Ventilation, Versickerung und Oberflächenverdunstung. Hier durch städtebauliche Nachverdichtung für das Museum der Moderne. Fotos: Christian Hajer, berlininfo

„Es ist essentiell, die Stadtgesellschaft über die kommenden Risiken aufzuklären und zu verdeutlichen, dass und vor allem wie gehandelt werden kann  – auch von jedem und jeder Einzelnen“
                                                                                                                       Fritz Reusswig, PIK Potsdam, 2016

Politik

2011 beschliesst die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz den Stadtentwicklungsplan (StEP) Klima, ein informelles Planungsinstrument, um Fachwelt und Bevölkerung zu sensibilisieren und zu informieren. Es folgen mehrere Publikationen mit Best-Practice-Beispielen zur Anpassung an Klimafolgen aus verschiedenen Ressorts.

2016 erfolgt die Verabschiedung eines neuen StEP Klima „Konkret“. Vor dem Hintergrund erweiterter wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Tatsache, dass das Wachstum der Stadt rasant Fahrt aufgenimmt, wird dabei die Klimaanpassung der Stadt als integrative Strategie formuliert: Statt eigene Fördermittel für die Anpassung bereitzustellen, sollen Maßnahmen in neue Projekte von Wohnungsbau, Gewerbeentwicklung, Verkehrsplanung sowie der Grün- und Freiflächengestaltung integriert werden.

An der Strategie der kompakten Stadt, der „Stadt der kurzen „Wege“ durch Nachverdichtung wird festgehalten. Eine Konzentration erfolgt dabei auf die beiden Wetterextreme Trockenheit und Starkregen sowie solche Stadtgebiete, die davon besonders betroffen sind. Die Auswahl und räumlichen Schwerpunkte der Maßnahmen stützt sich auf eine mittlerweile eingerichtete GIS- gestützte Modellierung stadtklimatisch relevanter Kennwerte auf der Basis hochaufgelöster Gebäude- und Vegetationsdaten.

 

Analysekarte Bioklima Umweltatlas

Analysekarte Bioklima in Berlin Belastete Gebiete aktuell (gelb) und bis 2050 (rot)

 

Maßnahmen

Für die konkreten Maßnahmen zur Anpassung an die Folgewirkungen der Klimaveränderungen werden im StEP Klima “Konkret“ sechs Bereiche genannt:

  • Dachgestaltung
  • Fassadengestaltung
  • Erhöhung der Rückstrahlung (Albedo)
  • Urban Wetlands zur Kühlung
  • Regenwassermanagement zur Überflutungsvorsorge
  • Auf die Tageszeit abgestimmte Kühlung

Das Ergebnis der Wahl zum Abgeordnetenhauses 2017 veränderte den Zuschnitt der Senatsverwaltungen. Für den Klimaschutz ist seither die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, SenUVK, zuständig Für Stadtentwicklung und Wohnen, SenSW, wurde ein eigenes Ressort aufgebaut.

Weitere Aktivitäten von Berlin im Klimaschutz und zur Anpassung an Klimafolgen

Das 2016 in Kraft getretene Berliner Energiewendegesetz bildet den gesetzlichen Handlungsrahmen für die angestrebte Klimaneutralität der Stadt bis 2050. Im Vergleich zum Referenzwert des Jahres 1990 sollen die CO2 Emissionen bis 2020 um 40% und bis 2030 um 60% gesenkt werden. Dabei will die Stadt selbst mit gutem Beispiel vorangehen: Senats- und Bezirksverwaltungen sollen sich so organisieren, dass sie bereits ab dem Jahr 2030 CO2-neutral arbeiten.

Zusätzlich dazu setzt Berlin auf internationale Kooperationen zum Austausch von Best-Practice-Maßnahmen und Bündelung von Effekten.

2018 wird das Berliner Energie und Klimaschutzprogramm, kurz BEK, verabschiedet. Das BEK enthält Maßnahmen in den Handlungsfeldern Energie, Verkehr, Gebäude und Stadtentwicklung, Wirtschaft sowie private Haushalte und Konsum für den Umsetzungszeitraum bis 2020 und den Entwicklungshorizont 2030. Es stellt den „Fahrplan“ auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050 dar.

Zum Förderung des nachhaltigen Umgangs mit Regenwasser wurde von Sen UVK und den Berliner Wasserbetrieben 2018 die Berliner Regenwasseragentur gegründet.

Abkühlung an heissen Tagen im Lustgarten Berlin.  Foto: Christian Hajer, berlininfo

Abkühlung an heissen Tagen im Lustgarten Berlin.
Foto: Christian Hajer, berlininfo

Für zusätzlichen Druck auf die Bundes- und Landespolitik sorgen zudem zivilgesellschaftliche Initiativen, wie die #FridaysforFuture Demonstrationen im Berliner Regierungsviertel.

Am 6. Mai 2021 beschloss die Regierungskoalition im Berliner Abgeordnetenhaus, einen Klimabürger*innenrat nach einem Vorbild in Frankreich einzurichten. Dieser Rat soll nun Vorschläge und sozial gerechte Handlungsempfehlungen für ein klimaneutrales Berlin entwickeln.  Ein Erfolg der Initiative „Klimaneustart“Diese hatte dazu 24.812 gültige Unterschriften für einen Klima-Bürger*innenrat eingereicht. Der Senat ist nun gefordert, die Einsetzung des Klima-Bürger*innenrates zu implementieren und Finanzmittel für Arbeit, Moderation und wissenschaftliche Begleitung bereitzustellen.

Eine Führung zum Thema Klimaschutz, Anpassung und urbane Resilienz in Berlin finden Sie hier