Die Umsetzung der Verkehrswende in Berlin

Sanierung und Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur

Nach der Wiedervereinigung war die Verkehrsplanung in Berlin bestimmt von der  Zusammenführung der städtischen Infrastruktur in der vormals geteilten Stadt und der Verbindung mit der Region. So investierte die Deutsche Bahn allein in Berlin zwischen 1990-2010 allein über 10 Mrd. Euro für den Netzausbau und die Wiederherstellung und den Neubau von Bahnhöfen. Lange war die Stadtentwicklung von Stagnation und Abwanderung ins Umland geprägt, die Politik konzentrierte sich mit gemischtem Erfolg auf Auto-, Bahn- und Flugverkehr,  es gab aber kein Konzept für eine längst notwendige Verkehrswende.

Denn durch die Fokussierung auf Anforderungen, die sich aus den Berliner Besonderheiten ergaben, gerieten internationale Trends und Entwicklungen aus dem Blickfeld, die sich in den vergangenen Jahren im Berliner Verkehrsgeschehen zunehmend bemerkbar machten. So werden nach einer Studie von Greenpeace in Berlin im Durchschnitt 4,70 Euro pro Einwohner und Jahr in Radwege und Verkehrssicherheit investiert, sind es in Amsterdam 11,00 Euro und in Kopenhagen 36,50 Euro. Durch niedrige Emissionen, höhere Verkehrsicherheit und verbesserte Aufenthaltsqualitäten, erzielten diese Städte im wirtschaftlichen Wettbewerb auch klare wirtschaftliche Standortvorteile.

Ostbahnhof - Verkehrswende - berlininfo I Führungen zur Stadtentwicklung

Ostbahnhof Berlin

 

Das Berliner Mobilitätsgesetz  – Fahrplan für eine nachhaltige und klimagerechte Mobilitätspolitik

Ein tiefgreifendes Umsteuern erfolgte 2017 mit der Bildung der für Mobilität zuständigen neuen Senatsverwaltung, in der die Ressorts Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (Sen UVK) zusammengeführt wurden. Unter Berücksichtigung internationaler Megatrends konzentrierte sich die Arbeit nun auf die drei inhaltliche Schwerpunkte: Urbanisierung, Digitalisierung und Dekarbonisierung.  Im Februar 2018 erhielt Berlin dann Deutschlands erstes Mobilitätsgesetz, mit dem auch eine stärkere Förderung des Radverkehrs beschlossen wurde. Dabei soll das Radverkehrsnetz ausgebaut werden, mehrere Fahrradschnellwege neu gebaut werden. Dazu hat man sich Expertise aus Kopenhagen eingekauft. Die Verkehrsssicherheit soll weiterhin durch den Ausbau von Radstellplätzen und der Beseitigung von Gefahrenstellen erhöht werden. Zur Eindammung der zunehmenden Emissionen durch Verbrennungsmotoren wird auch die Einführung einer City Maut nach dem Vorbild anderer europäischer Städte wie London, Oslo, Mailand oder Stockholm diskutiert.

 

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Bike stopping on bike lane with white bike symbol – Photograph. Christian Hajer

 

Der neue Nahverkehrsplan 2019

Im März 2019 liegt auch ein neuer Nahverkehrsplan vor, mit einer Investitionsplanung von beachtlichen 28 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030.

Dabei werden bestehende Defizite im ÖPNV abgebaut und Angebote verbessert, sowie die Vernetzung innerhalb der Metropolregion Berlin-Brandenburg für Berufspendler und Wirtschaftsverkehr intensiviert.  Der Bestand der Waggons für die U-Bahn soll um 30% auf 1650 erhöht werden, 500 neue Waggons gibt es für die S-Bahn, zudem eine Ausweitung der Taktzeiten. 3 Tramlinien werden um 85 Kilometer verlängert und es werden Busse für 810 Mio Euro für weitere E-Buslinien bestellt, um bis 2030 alle Buslinien elektrisch zu betreiben.

Da die regionale Siedlungsentwicklungsplanung vor allem auf die Anbindung an die bestehenden radialen Bahnlinien anknüpft, wird bei Berufspendlern ein Zuwachs an Umsteigern vom Auto erwartet.

Stadtbus der BVG mit Elektroantrieb Foto: Christian Hajer berlininfo

E-Bus der BVG in Berlin

Das Berliner Fußverkehrsgesetz

Für 2019 ist zudem das erste Fußverkehrsgesetz Deutschlands in Vorbereitung, das durch die Festlegung rechtlich verbindlicher Vorgaben der bereits beschlossenen Gleichstellung der Verkehrsarten Rechnung tragen soll. Mit den Maßnahmen wird „Vision Zero“ angestrebt, um die Sicherheit für Fußgänger zu erhöhen. Für die Verbesserung der Sicherheit für Fußgänger und Erhöhung der Ausfenthaltsqualität im städtischen Raum gibt es mehrere Pilotprojekte, basierend auf der Idee der Neuaufteilung der Straßenräume für unterschiedliche Nutzergruppen.

 

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shadow of pedestrian legs – Photograph: Christian Hajer | berlininfo

 Eine Führung zum Thema Verkehrswende und nachhaltiger Stadtverkehr finden Sie hier